Schamlos im Keller
by , 14.02.2017 at 13:18 (15293 Views)
Tag ein Tag aus trotte ich vor mich hin, mit dem festen Entschluss, etwas zu tun, etwas zu sein. Und wenn ich mich entschließe, etwas zu tun, dann bin ich doch nicht träge, denn ich bewege etwas, nämlich mich.... Nein. Nein, ich bewege garnichts. Ich sage mir lediglich, dass ich etwas mache, denn das beruhigt mich....
...Aber das geht nicht mehr. Ich sehe jeden Tag wie im Zeitraffer an mir vorbeiziehen, wie ein langer, tonnenschwerer Güterzug, der meinen unscheinbaren Bahnsteig passiert. Und ich schaue und warte, ich kämpfe mit mir, hadere, ob ich vielleicht doch aufspringen soll. Aber was ist, wenn der Zug nicht weit fährt, oder wenn es mir dort nicht gefällt, wo er hinfährt. Womöglich reißt er mich auch in Stücke, wenn ich es wage, aufzuspringen, weil er viel zu schnell ist....
Vermutlich ist mein Bahnsteig auch sehr viel angenehmer. Ich warte hier lieber auf meinen Zug, der mich, wie jeden Tag, nach Hause fährt.
Wißt ihr, es ist schon sehr viel geschehen. Viel ist auf der Strecke geblieben. Nicht erst, seit ich mich hier in diesem Forum angemeldet habe (also das erste mal, bevor ich mich habe löschen lassen).
Es hatte alles mal ein Ziel. Aber ich war schon etwas verblendet, zu denken, dass eben jenes Ziel ein höheres wäre. Im Grunde geht es um Abgründe. Nichts Löbliches. Nur der blanke Trieb, der immer und immer wieder einen Weg findet, in meine Gedanken zu schleichen.
Gerade in diesen Tagen fühlen sich meine Füße wie Blei an. Ich habe nicht recht Kraft, weiterzugehen, als würde keine Last an jedem meiner Schritte zerren.
Vieles aus vergangener Zeit erwieß sich als doch nicht so vergangen, wie ich es annahm. Dazu kamen aber auch noch viele neue Aspekte. Und wenn ich es so ausdrücke, dann meine ich immer: Menschen.
Es ist leider so: Ich kann sehr wohl eine gewisse Sache unterdrücken. Die Sache an sich, ja. Aber verdammt, es sind Menschen, die es mir schwer machen, die mich immer wieder an Dinge erinnern, die mal waren, oder hätten sein können. Ja wirklich, am schwersten zerren die Dinge an mir, die hätten sein können, oder die immer noch sein könnten, wenn ich nur den Mut, nein, den Antrieb fände, die Augen zu schließen, loszulaufen und..... ja, einfach springen und hoffen, dass ich den Zug erwische.
Und für einen Moment, gerade eben, da war ich endlich frei, ich habe endlich etwas - nämlich mich - bewegt, ich habe es getan, ich war nicht untätig.
Aber nein, wie ein Schlag trifft es mich vor meine Brust, drückt mich zurück in meinen Stuhl.... es war wieder nur ein Gedanke, ein Vorhaben, etwas zu tun.
Und wieder erkenne ich, dass es nicht geschieht und nicht geschehen wird. Denn ich stehe wieder hier, wo ich immer stand und warte..... warum auch nicht? Zu Hause ist es eh am schönsten....
Unholy





