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Das richtige Rezept
Hier habe ich dich. Klein, erniedrigt, in Fesseln gelegt. So nah und doch so weit entfernt von mir wie die nächste Galaxie in der Milchstraße. Ich beuge mich hinab, greife dein Kinn. Dein Blick wie Apfelgelee. Du hast mich hineinfantasiert in deine Erregung, in deine ganz eigene Welt von Erniedrigung, Schmerz und dem, was tief darunter verborgen ist. Wäre ich ein Trüffelschwein, könnte ich danach graben. Nur wozu? Ich kenne den Moment deiner Scham, wenn Du aus deiner Welt zurückkehrst, den Blick gesenkt, wieder zu dir kommend und glitschig wie eine frisch geborene Nacktkatze. Und jener Augenblick, wo dein nicht mehr ganz so verschwommener Blick auf meinen trifft.
Du willst nicht reden. Das hast Du mir vorher gesagt. Es törnt dich ab. Für dich ein guter Grund. Ach, da war noch etwas. Bitte kein Safeword, denn das macht alles kaputt. Aha. Und ich möchte bitte nur das tun, was mir gefällt. Aha. Nein, nicht die Tawse, die sei zu hart, der Rohrstock funktioniert besser. Aha. Und bitte, bitte keine Fragen wie es dir geht, das reißt dich sonst heraus. Aha. Und so folgen immer mehr Kettenglieder, die nicht dich, sondern mich bewegungsunfähiger machen.
Na gut. Ich bin nett. Versuchen wir es.
Jetzt liegst Du in meinen Armen, verschwitzt. Der säuerliche Geruch von Endorphinen schwängert den Raum. Restezittern. In mir hallt es auch nach. Aha, aha, aha… dein rot gestromtes Hinterteil und jeder Schlag ein Aha-Erlebnis. Für uns beide. Du schaust zu mir auf und hättest Lust. In deinem Kopf tanzen noch die letzten Reste deiner Fantasien, die so gerne ihren Abschluss in einem nicht zu lange abgehangenen Stück Weiberfleisch finden wollen. Doch dazu kommt es nicht. Du weißt es und ich weiß es auch. Meine eingesammelten Ahas an diesem Abend bündeln sich zu einem Großen für dich. Ist das der Ausgleich für begangenes Unrecht? Nein. Das ist der Unterschied zwischen dem, was ich mir wünsche, und dem, was ich gefunden habe.
Jetzt stehst Du auf und ziehst dich an. Immer noch wortlos und verschämt. Das schwarze Kleid und die Strümpfe darunter werde ich in die Wäsche geben, sobald Du gegangen bist. Du klebst an mir. Ein eigenartiger Ausdruck von Nähe. Du musst jetzt los, das bringt dein Mund heraus. Die Tür schließt sich und Du wirst mir später schreiben, wie schön es für dich war. Und einen Tag später, wenn deine Bedürftigkeit wie Unkraut in dir nachgewachsen ist, mich nach einem nächsten Termin fragen. Du wirst dich über mein Nein wundern. Und weil ich noch unerfahren und nett bin, werde ich dir erklären, warum wir uns nicht mehr sehen werden. Und Du wirst es nicht verstehen.
Viel später. Ein neues Du. So etwas hast Du noch nie gemacht. Meine Sammlung von Ahas, sorgfältig in mein Poesiealbum geklebt, wie es Unerfahrene eben tun, die etwas Neues entdecken und sich probieren, zeige ich dir nicht. Ob ich Erfahrung habe? Ja. Reichlich. Dir gibt es Sicherheit. Ja, ich weiß. Meine Auszeit von einem halben Jahr lässt mich diesen Moment frischer erscheinen. Weniger abgestanden und schal. Versuchen wir es. Dieses Du sprich. Erstaunlich. Herausragend wie eine Sonnenblume in einem Feld voller Lappalien. Dieses Du fragt mich, ob es mir meine Wünsche erfüllen könnte. Oh. Dieses Du denkt. Offenbar nicht mit seinem Kopf, auch nicht mit seinen Testikeln, sondern mit seinem Herzen.
Du sagst mir, was Du dir vorstellen kannst und was nicht. Ich warte auf das leise Klacken der Kettenglieder, der fein aneinander gereihten Ahas. Horche. Nichts. Dieses Du fragt, ob der Raum, den es mir bereit ist zu geben, ausreichen wird. Dein Blick bleibt klar. Ich bin neugierig. Tun wir es. Du fragst mich zuerst mit den Augen, dann mit deinem Mund. Ob du mich berühren darfst. Genauso zaghaft deine Reaktionen, nachdem ich Ja gesagt habe.
Deine Hände geben meiner Anwesenheit Kontur. Meine Handlungen geben deiner Kontur Form. Dein Staunen, wie das eines Jungen, der das erste Mal in seinem Leben Zuckerwatte probiert. Und das Leuchten in deinem Blick, als du feststellst, dass dieses unfassbare Erlebnis so viel in dir auslöst. Und anstatt deine Gefühle hinter Apfelgelee zu verstecken, schließt du ab und zu deine Augen. Ich nehme dein Gesicht in meine Hände. Du öffnest sie. Kleine Funken sprühen heraus. Bestehend aus einer kleinen Prise Scham, einem halben Teelöffel Unsicherheit und einer großen Portion Lust. Und die Freude darüber, dass ich es bin, die du siehst, ergibt ein kleines Feuerwerk. Ja, es gibt einen Grund zu feiern. Uns.
(Urheberrechte bei mir)
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